Organsiationsentwicklung Blog

Impulse für die innovative Personal- und Unternehmesführung

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Unternehmen 4.0: Hierarchiefreie ‚Think Tanks’ im Change Management Prozess

Change Projekte, die Unternehmen innovativer und agiler machen sollen, werden heute im Zuge der Digitalisierung als fast unverzichtbar erkannt. Flache Hierarchien agil und zugleich effizient zu praktizieren, kann herausfordernd sein: Nun ist jeder von der Basis bis zur Spitze gefragt, das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Dies zieht andere Management-Prozesse nach sich, als CEOs und Führungskräfte bisher umgesetzt haben.

Wer sich darauf einlässt, klassische Hierarchien für eine team- oder projektorientierte Performance zu öffnen, kann sich und dem Unternehmen große Vorteile im Bereich Innovation und Change erschließen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt greifbar nahe: In jeder Ebene oder Abteilung Ihres Unternehmens finden Sie Wissensträger unterschiedlichster Couleur. Diese in neue Formen der Zusammenarbeit zu bringen, schafft neue Bahnen im Denken und öffnet das Innovationspotential der Mitarbeiter. Dabei kann es sich um Produkt- und Dienstleistungs-Innovationen handeln, oder um organisationale Neuerungen und strategische Initiativen.

Innovative Wege gehen, um Lösungen zu finden

Das systematische Zusammenspiel von Akteuren mit unterschiedlichen Perspektiven ermöglicht es, gemeinsam über Grenzen hinaus zu denken. Dieser Ansatz geht davon aus, die vielfältigen Sichtweisen bewusst hinsichtlich einer bestimmten Fragestellung wahrzunehmen. So können neue Einsichten gewonnen und unerschlossene Möglichkeiten entdeckt werden. Iterativ angelegte Interaktionen dieser Sichtweisen führen durch den Lösungsprozess.

Vielfältige Sicht- und Erfahrungswelten zu verbinden, sorgt aber nicht nur für gute Ideen. Es sichert auch die Anschlussfähigkeit im sozialen Kontext, zum Beispiel im Arbeitsprozess oder in der Kundenbeziehung. Und so werden aus Ideen gelebte Lösungen, die für alle Seiten einen wahrnehmbaren Mehrwert erzeugen. Die verschiedenen Wissensträger des Unternehmens systematisch zusammen zu bringen, holt damit neue Wertschöpfungspotenziale hervor und fördert gezielt Innovations- und Veränderungsprozesse im Unternehmen.

Entscheidungsprozesse im ‚Think Tank’

Nicht immer leicht, aber unverzichtbar sind die qualifizierten Denk- und Gestaltungsprozesse, durch die Veränderungsentscheidungen tragfähig werden. Denn nur so können Entscheidungen besten Gewissens getroffen werden. Bis dahin nicht Ungewöhnliches.

Zumeist laufen diese grundlegenden Prozesse im kleinen Kreis von Entscheidern und ausgewählten Experten ab. Wie aber wäre es, den gesamten Denk- und Gestaltungsprozess von Anfang an auf breitere Beine zu stellen? Damit meinen wir, möglichst alle betreffenden Perspektiven frühzeitig und systematisch einzubeziehen. Konkret kann das bedeuten, dass bei einer anstehenden Umstrukturierung neben dem Top-Management auch die Vertreter aller die Veränderung betreffenden hierarchischen Ebenen bereits sehr früh eingebunden werden.

Die Idee dahinter ist ein hierarchieübergreifender 'Think Tank', eine gemeinsame Denkwerkstatt, die unterschiedliches Wissen nutzt. Denn aus jeder Perspektive werden spezifische Informationen eingebracht, die für die Ausgestaltung der neuen Organisation notwendig und hilfreich sind. Und so können auf dieser breiteren Wissensbasis neue und praxistaugliche Lösungsideen entstehen.

 

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Ideenvielfalt zulassen und prüfen

Möglicherweise denken Sie jetzt: "Ja, aber ..." Denn: Was ist mit der Komfortzone, die jene, die letztlich von der Veränderung betroffen sein werden, auf keinen Fall aufgeben möchten? Entsteht da nicht so etwas wie ein fauler Kompromiss?

Dieser Einwand ist nachvollziehbar.
Für uns aus Sicht der Organisationsentwickler war dies auch einer der kritischen Punkte. Doch unsere Erfahrungen in der Arbeit mit hierarchieübergreifenden Think Tanks lehren uns: Veränderungsblockaden entstehen überwiegend durch zu viel Konformität. Denn so verpasst die Gruppe die entscheidende Lernerfahrung, dass aus teilweise weit auseinanderliegenden Expertisen und Sichtweisen völlig neue und sehr funktionale, begeisternde Ideen entstehen. Und diese Ideen, die dann auch tatsächlich alle begeistern, setzen deutlich mehr Energie zur Umsetzung frei, als Top-Down-Initiativen.

Der Gedanke der Komfortzone weicht damit der konkreten Tat, etwas Wertvolles für die Zukunftssicherung zu leisten. Vorbei sind die Zeiten, in denen einsame Entscheider, Experten und Macher den richtigen Wurf entwickeln und der Rest der Belegschaft zum Ausführungsgehilfen ernannt wird. Vielmehr gibt es erprobte Möglichkeiten, um mit einem Sinn für Gemeinsamkeit und Wertschätzung selbst harte und schwierige Veränderungsthemen anzugehen.

Miteinander schneller zum Ziel

Erprobte Handlungsfelder für neue Lösungen sind:

  • Entwicklung und Einführung von neuen Arbeitszeitmodellen
  • Verbesserung übergreifender Arbeitsabläufe
  • Reorganisation von Business Units und Hauptabteilungen
  • Die strategische Ausrichtung von Geschäftsbereichen
  • Lösungen zur organisationalen Gesundheitsförderung
  • Abbau von Arbeitshalden in überlasteten Organisationseinheiten
  • Verknüpfung von strukturellen und personalen Effizienz-Initiativen
  • Einführung übergreifender IT-basierter Organisationslösungen

Die entstehenden Innovationen selbst sind nur ein Benefit der hierarchiefreien ThinkTanks. Der Veränderungsprozess wird auch nachweislich effektiver und effizienter. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Zeitstrecke der Lösungsentwicklung deutlich gegenüber denen klassischer Veränderungsinstrumente verkürzt. Auch das Engagement der Mitarbeiter erhöht sich signifikant: Im Sinne der Selbststeuerung sind Mitarbeiter, die an Denk- und Entscheidungsprozessen beteiligt waren, sowohl begeisterter als auch befähigter, Veränderungen zu realisieren.  

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich bei erfolgskritischen Veränderungen, die viele Mitarbeiter betreffen, der Einsatz hierarchiefreier Think Tanks bewiesen hat und für alle Beteiligten vielfältiger Nutzen erzeugt wird. In diesem Sinne kann es ein Baustein sein, der in einem innovativen Unternehmenskonzept verankert wird.

Jürgen Alexander Lehmann

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